Textil in einer neuen Dimension

0 Kommentare Joel Hügli
  • 06.01.2018
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  • Joel Hügli

Wie kann ich flache Textilen in eine räumliche Gestalt bringen? fragte sich Joel Hügli und experimentierte mit thermisch verformbaren Materialien. Entstanden sind daraus ein Hocker und ein Beistelltisch.

Wie kann ich flache Textilen in eine räumliche Gestalt bringen? Diese Frage wollte ich beantworten und stürzte mich Hals über Kopf in einen Prozess, aus dem ich nicht mehr so schnell wieder rauskam.

In meiner Recherche nutzte ich sowohl systematische Vorgehensweisen wie auch zufällige Ergebnisse. Als ich einen einfachen Baumwollstoff mit dem Bügeleisen glättete, rollte sich das Gewebe plötzlich zusammen. Der Stoff war mit einer Apretur versehen, die sich durch die Hitze zusammenzog. Dieses durch Zufall entdeckte Prinzip wollte ich ausnutzen. Ich erhitzte verschiedene Textilien und beobachtete, wie sie sich verformten. Als besonders gut kontrollierbar erwiesen sich die Netzte für Gerüstabdeckungen bei Baustellen. Also habe ich dieses Material auf thermisch nicht verformbare Stoffe genäht. So konnte ich durch das Erhitzen des Netzes aus dem flachen Objekt ein räumliches Gebilde schaffen.

Neben den zahlreichen Experimenten wollte ich auch eine mögliche Produktübersetzung aufzeigen. Ich testete einzelne Materialien und Kombinationen systematisch auf ihre thermische Verformbarkeit, statische Belastbarkeit und visuellen Eigenschaften. Bei diesen Untersuchungen stellte sich ein Material als besonders vielseitig heraus: eine auf Harz basierende Netzstruktur, die Schuhe im Fersenbereich stützt. Erhitzt man das Material, dringt eine feine Schicht Harz aus und es lässt sich frei verformen. Ich beklebte Stoffe mit dem Netz und konnte sie so in eine neue Form bringen. Auch nach dem Auskühlen wies die Materialkombination brauchbare statische Fähigkeiten und – dank des aufgetragenen Stoffs – eine haptisch vielseitige Oberfläche auf.

Durch dutzende Experimente mit dem Trägermaterial testete ich die Anwendungen in verschiedenen Bereichen. Mit zusätzlichen Materialeinschlüssen integrierte ich zum Beispiel weiche Elemente oder Stützkonstruktionen. Über den ganzen Prozess entstanden so mehr als hundert verschiedene Muster.

Diese analysierte ich und entschied, wie diese in einem Produkt anwendbar sind. Entstanden ist zum einen ein Hocker mit einer Ablage und nahtlos integrierten Polsterelementen. Zum anderen ein Beistelltisch mit Erhöhungen, die sich leicht geschwungen in der runden Grundform abzeichnen. Die zwei Schalenformen zeigen Möglichkeiten auf, wie mein Experiment im Produktdesign angewendet werden kann. Meine Erkenntnisse lassen sich aber auch in der Architektur und der Mode anwenden. Das Experiment ist also erst am Anfang.

Weitere Bilder zum Projekt Tevo finden Sie in unserem Portfolio.

Dieser Artikel wurde am 14. Dezember 2017 im Design und Architektur Magazin Hochparterre veröffentlicht.


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